Projekt „Einführung und Zertifizierung eines Arbeitssicherheitsmanagement-Systems“

Das größte Kapital eines Unternehmens sind seine Mitarbeiter und ihr Wohlergehen. Ein zertifiziertes Arbeitssicherheitsmanagementsystem schützt nicht nur deren Gesundheit, sondern sichert auch Unternehmen gegen Haftungsrisiken ab: Stellt die Berufsgenossenschaft (BG) fest, dass die vorgesehenen Richtlinien im Schadensfall nicht eingehalten wurden, kann dies teuer werden – und schlimmstenfalls zur persönlichen Haftung von Geschäftsführern oder in die Insolvenz führen.

Die Einführung von Arbeitssicherheitsmanagementsystemen zählt daher zu unseren Kernleistungen bei bws&l. Um Ihnen unser Vorgehen zu veranschaulichen, stellen wir Ihnen exemplarische Fälle aus unserer Praxis vor: Kürzlich berichteten wir über ein Projekt zur Einkaufsoptimierung in einem mittelständischen Unternehmen – diesmal geht es um die Arbeitssicherheit.

Arbeitssicherheit gewinnt an Bedeutung

Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) vermeiden Arbeitsunfälle, Verletzungen und Erkrankungen; sie sichern nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern stärken auch die Rechtssicherheit des Arbeitgebers. Zunehmend erkennen auch mittelständische Unternehmer die Arbeitssicherheit als ernstzunehmenden betriebswirtschaftlichen Kostenfaktor: Die Vermeidung von Regressforderungen durch die BG machen Ausgaben für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (bzw. entsprechende Managementsysteme) zur lohnenden Investition.

In diesem Fall führten wir für unseren Kunden, ein mittelständisches Bauunternehmen, ein entsprechendes AMS ein und beantragten unmittelbar danach die Zertifizierung durch die BG. Diese grenzt die Haftungsrisiken entscheidend ein, denn weder Geschäftsführer noch Unternehmen können somit im Schadensfall zur Rechenschaft gezogen werden.

Ausgangspunkt und Erstellung eines Projektrahmens

Zu Beginn des Projekts bestanden erhebliche Defizite bei der Einhaltung von Arbeitssicherheitsrichtlinien bzw. der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Unser Projektziel war es deshalb, die Risiken von Regressforderungen durch die BG signifikant zu senken. Jedes unserer Beratungsprojekte steht und fällt mit einem tragfähigen Konzept; daher schufen wir zunächst einen Projektrahmen für die Umsetzung der geplanten Arbeitsschutzmaßnahmen.

Auf die sorgfältige Projektvorbereitung folgte die Analysephase, in der wir eine detaillierte quantitative und qualitative Analyse durchführten. Bei der Soll-Konzeptentwicklung arbeiteten wir eng mit unserem Kunden zusammen – und legten der Geschäftsführung eine Realisierungsplanung vor, die neben einem Zeitplan auch konkrete Vorschläge für die Implementierung und Nachbereitung umfasste.

Analyse und Einschätzung der Projektrisiken

Zu den wichtigsten Schritten der Projektsteuerung zählt die systematische Risikoanalyse im Vorfeld. Unser risk assessment identifizierte gleich mehrere Risiken:

  • mangelnde Datentransparenz
  • fehlende Akzeptanz bei den Abteilungsleitern
  • fehlende Standards
  • zeitlicher Engpass bei der Personalbeschaffung.

Ein weiteres Ergebnis unserer Risikoanalyse: Die vorhandenen Tools boten keine ausreichenden Möglichkeiten für die Umsetzung des Arbeitssicherheitsmanagement-Systems, sodass wir eine neue Software-Lösung anvisierten.

Projektinhalte und Hauptaufgaben

Zu den Hauptaufgaben des Arbeitssicherheitsmanagements zählt die Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen: Sie ist von zentraler Bedeutung wenn es darum geht, Gefahren richtig einzuschätzen – und damit für die Unfallprävention. Daher entwickelten wir zunächst Standardformulare als Ausgangsbasis, um den Aufwand für die Dokumentation zu minimieren. Zudem sorgten wir für die

  • automatisierte Erstellung
  • automatisierte, projektbezogene Ablage
  • systemische Sicherstellung ihrer Anwendung.

Um die Handhabung zu vereinfachen (und die Arbeitssicherheit zusätzlich zu erhöhen), richteten wir einen automatisierten Versand der Gefährdungsbeurteilungen an den jeweiligen Auftraggeber ein.

Dokumentation von Arbeitsunfällen

Auch wenn der Arbeitsschutz noch so konsequent umgesetzt wird, lässt sich das Risiko von Arbeitsunfällen nicht gänzlich eliminieren. Unser Benchmark (also die Zieldefinition) für die Senkung der Unfallzahlen lag bei 0 schweren Unfällen – und einer Reduzierung der Bagatellschäden auf maximal 3 Vorfälle pro Jahr. Für deren Erfassung erarbeiteten wir eine nachhaltige Dokumentationslösung.

Zertifiziert gemäß AMS BAU

Die BG BAU lobt für zertifizierte Arbeitsschutzmanagementsysteme attraktive Arbeitsschutzprämien aus. Unser Ziel war daher nicht nur die Anerkennung des Zertifikats, sondern auch die Erlangung der Fördermittel. Hierfür schufen wir die notwendigen Voraussetzungen, u.a. durch die Erstellung eines Handbuchs für die Dokumentation.

Übertragung der Unternehmerpflichten

Einer der letzten Projektschritte bestand darin, die Führungskräfte ins Risiko einzubinden. Wir erarbeiteten hierzu die notwendigen vertraglichen Voraussetzungen, führten eine Schulung der Führungskräfte durch – und entwickelten schließlich die nötigen Betriebsanweisungen, die fortan den Grundstein der Betriebssicherheit bilden.

Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit

Arbeitssicherheit 2

Nachhaltige, tragfähige Lösungen zu schaffen sehen wir seit jeher als eine unserer Hauptaufgaben: Unsere Arbeit soll für Ihr Unternehmen langfristig einen Wettbewerbsvorteil schaffen – dafür haben wir auch bei diesem Projekt gesorgt: Durch die

  • jährliche Unterweisungen der Mitarbeiter
  • Ausbildung aller gewerblichen Mitarbeiter als Ersthelfer
  • Rezertifizierung im zweijährigen Rhythmus

stellen wir sicher, dass unser Kunde auch in Zukunft von seinem Arbeitsschutzmanagement profitiert – und damit auch sämtliche Mitarbeiter des Bauunternehmens.

Datenmanagement mithilfe des EDV-Tools „Bau-QS“

Wie bereits erwähnt, stellte sich das bislang verwendete ERP-Programm für das neue AMS als unzureichend heraus. Unser Arbeitssicherheitsmanagementsystem erforderte daher eine neue Software-Lösung: Wir entschieden uns dafür, eine Eigenentwicklung, das EDV-Tool „Bau-QS“, zu implementieren, das fortan für

  • Erarbeitung des Pflichtenhefts
  • Überwachung der Umsetzung
  • Testläufe und Abnahme

eingesetzt wird. Dafür nutzten wir die vorhandene Datenbasis, die uns via SQL bereitgestellt wurde – und konnten damit eine nahtlose Fortführung der Dokumentation (sowie eine Verbesserung der Datenlage) gewährleisten.

Zertifizierung ohne Beanstandung

Insgesamt setzten wir 80 Beratertage an, die wir innerhalb von 14 Monaten leisteten. Die automatisierte Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen sowie die Anbindung an das vorhandene ERP-System realisierten wir mithilfe unserer hauseigenen Software „Bau-QS“. Das Ergebnis nach Projektabschluss: Die BG BAU erteilte das Zertifikat ohne Beanstandungen; seither findet ein regelmäßiges Monitoring statt.

Positive Bilanz nach Systemeinführung

Der Erfolg eines Projekts lässt sich immer auch daran messen, wie die Mitarbeiter auf die Innovationen reagieren. In diesem Fall konnten wir einen durchschlagenden Erfolg verbuchen: Die Akzeptanz der Führungskräfte war sehr hoch – und auch die BG würdigte das Ergebnis als innovative Lösung.

Was uns besonders freut: Seit dem Start des Arbeitssicherheitssystems war unter den Beschäftigten kein einziger schwerer Arbeitsunfall zu beklagen – mission accomplished!

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